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Bund Österreichischer Frauenvereine

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Datei:MarieHoheiselEliseRichterBrief.jpg
Brief der Vorsitzenden des Bunds Österreichischer Frauenvereine Marie Hoheisel an Elise Richter, 7. Dezember 1933
Daten zur Organisation


Der Bund Österreichischer Frauenvereine (BÖVF) war von 1902 bis 1938 und ist seit 1946 die überparteiliche und überkonfessionelle Dachorganisation österreichischer Frauenvereine. Er ist Mitglied des Internationalen Frauenrats (International Council of Women – ICW) und dessen Europäischen Zentrum sowie bei der Europäischen Frauenlobby.

Geschichte

Der 1888 gegründete Internationale Frauenrat bestrebte um die Jahrhundertwende, ein internationales Netzwerk aufzubauen. Die Zweite Fünfjahreskonferenz des ICW 1899 sollte Frauenvereine dazu ermutigen, sich unter nationalen Dachorganisationen zusammenzuschließen. Marianne Hainisch besuchte diese Konferenz als österreichische Repräsentantin und wurde dort zur Ehrenvizepräsidentin ernannt.

Trotz der Hürden, die sich aufgrund der vielen unterschiedlichen Nationalitäten in der Habsburgermonarchie ergaben, schlossen sich 1902 unter Bestreben von Marianne Hainisch 19 Gruppen und Vereinigungen zum Bund Österreichischer Frauenvereine zusammen. 1904 zählte die Organisation 35 Mitgliedsvereine, 1914 bereits 90.

Unter diesen Vereinen befand sich auch der Allgemeine Österreichische Frauenverein (AÖFV). Bald traten aufgrund politischer Differenzen (der AÖFV vertrat das Frauenwahlrecht und sozialpolitische Interessen wesentlich schärfer, während der BÖFV auch liberale und konservative Gruppen ansprach) Spannungen auf, die 1906 zum Austritt des AÖFV und dem gleichzeitigen Verlust von 24 seiner Mitglieder führte.

Die Organisation diente zum Informationsaustausch zwischen den Vereinen und deren Mitgliedern, der lokalen und weltweiten Vernetzung zwischen Frauenorganisationen, zur Sicherstellung der Anerkennung von frauenspezifischen Gesichtspunkten, zur Förderung von Frauen in der Arbeitswelt und zur Arbeit an aktuellen, themenspezifischen Fragestellungen. In den ersten Jahren stand insbesondere das Frauenwahlrecht im Fokus.

Der BÖVF setzte sich nicht nur für die Rechte von Mädchen und Frauen ein, sondern vertrat auch eine pazifistische Haltung. So hatte er auch eine Friedenskommission, deren Vorsitzende, Bertha von Suttner, 1905 als erste Frau den Friedensnobelpreis erhielt, und veranstaltete Friedenskongresse.

Trotz des überparteilichen Selbstverständnisses des BÖVF entwickelte sich eine Verbindung zum großdeutschen Lager. Der Beginn des Austrofaschismus stellte einen Einschnitt in die Geschichte des BÖVF dar. Nachdem die Regierung des Ständestaates Frauenrechte wieder massiv einschränkte, bezog der BÖVF erfolglos dagegen Stellung und versuchte auch erstmals, mit katholischen Frauenvereinen zusammenzuarbeiten. Trotzdem wurde er dem Frauenreferat der Vaterländischen Front angegliedert. Nach dem sogenannten „Anschluss“ wurde der BÖVF 1938 vom nationalsozialistischen Regime vollständig aufgelöst. In der Nachkriegszeit wurde 1946 begonnen, den BÖFV wiederzuerrichten; Henriette Hainisch, die Schwiegerenkelin von Marianne Hainisch, wurde dessen Vorsitzende.

Nach dem Krieg und bis heute legt der BÖFV zusätzlich einen besonderen Schwerpunkt auf den Schutz der Menschenrechte allgemein und die Förderung von Frauen in Führungspositionen. Er veranstaltet Vorträge und Seminare, verfasst Stellungnahmen und Gutachten zu Gesetzen, kooperiert mit Gemeinden, Ministerien und NGOs, fördert kulturelle Aktivitäten, informiert über Frauenrechte und setzt sich für Gender Mainstreaming ein.

Publikationen

Der Bund Österreichischer Frauenvereine gab von November 1905 bis Juni 1919 die Zeitschrift "Der Bund" heraus. Weitere wichtige Publikationen des Dachverbandes waren unter anderem die Zeitschriften "Die Österreicherin" (1928-1938) und "Frauen- Rundschau" (1950-1971) sowie die Monografien "Frauenbewegung, Frauenbildung und Frauenarbeit in Österreich" (1930) und "Sechzig Jahre Bund österreichischer Frauenvereine" (1964). Ebenfalls veröffentlichte der BÖFV diverse Kalender, Bücher und Ratgeber.

Organisationsstruktur vor 1938

Der Bund Österreichischer Frauenvereine bestand aus mindestens einem Komitee (Frauenstimmrechstkommitee) und mehreren Kommissionen, darunter die:

  • Schulkommission (Vorsitzende: Eleonore Jeiteles, Rosina Kaplan, Annetta Pfaff, Marie Schwarz)
  • Gewerbekommission (Vorsitzende: Antonie Graf)
  • Rechtskommission (Vorsitzende: Ernestine Fürth, Stefanie Nauheimer, Marie Spitzer)
  • Zeitungskommission (Vorsitzende: Henriette Herzfelder, Marie Lang, Gisela Urban)
  • Antialkohol-Kommission (Vorsitzende: Emilie Kassowitz, Ella Reich)
  • Propagandakommission
  • Friedenskommission (Vorsitzende: Hedwig Anna Maria Joachima von Pötting und Persing, Bertha von Suttner)
  • Kommission zur Bekämpfung des Mädchenhandels
  • Kommission für Wegweisung Jugendlicher in das Berufsleben
  • Kommission zur Förderung der Volksgesundheit
  • Kommission für Gartenbau und Kleintierzucht
  • Landwirtschaftliche Kommission
  • Kommission für Ernährung
  • Kommission für Fürsorgewesen

Mitgliedsvereine bis 1938

  • Gremium gewerblicher Lehranstalten für Weißnähen, Kleidermachen, Modistenarbeit usw.
  • Internationale Vereinigung berufstätiger Frauen, österreichischer Zweig (1930-?)
  • Neuer Wiener Frauenklub (1905-?)
  • Österreichischer Bund für Mutterschutz
  • Österreichischer Staatsbürgerinnenverband (1927-?)
  • Organisation der Ärztinnen Österreichs (1919-)
  • Organisation der staatlich geprüften Lehrkräfte an Haushaltungs- und Frauenberufschulen in Österreich
  • Mädchenmittelschule - Verband der Lehrkräfte an österreichischen Mädchenmittelschulen und der weiblichen Lehrkräfte an verwandten Anstalten (1923-?)
  • Mädchenunterstützungsverein, Wien
  • Allgemeiner Deutscher Frauenverein in Graz
  • Allgemeiner Österreichischer Frauenverein (1902-1906)
  • Arbeitsgruppe für gesundes Leben
  • Verein der Lehrerinnen und Erzieherinnen Österreichs
  • Frauenarbeitsgemeinschaft für körperliche Erziehung
  • Frauenbildungsverein, Wien
  • Frauenhort Israelitischer Frauen-Wohltätigkeitsverein im Bezirke Alsergrund in Wien
  • Frauenkrankeninstitut Charité (1930-?)
  • Frauenliga "Herakles" der österreichischen Theosophischen Gesellschaft
  • Wiener Frauenverein zum Schutz armer verlassener Kinder
  • Frauenvereinigung für soziale Hilfstätigkeit
  • Geldern Egmont Unterstützungsverein für Offizierstöchter (1919-)
  • Gesellschaft für erweiterte Frauenbildung und -berufe, Baden
  • Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs
  • Reichsverband der Hebammen Österreichs
  • Tiroler Hausfrauenverein

Weitere Mitgliedsvereine

  • Verband der akademischen Frauen Österreichs (1922-?)
  • Verband Deutscher Hochschülerinnen, Graz
  • Verein abstinenter Frauen, Wien (1903-?)
  • Verein der Beamtinnen des Postsparkassenamtes
  • Verein der Gärtnerinnen Österreichs
  • Verein der Musiklehrerinnen, Wien
  • Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen, Wien (1924-?)
  • Verein der Tagesheimstätten für Kriegerwaisen und Kinder
  • Verein Deutsche Frauenhilfe und Österreichischer Hausbeamtinnen-Verein, Salzburg
  • Verein Ferienheim, Wien
  • Verein für erweiterte Frauenbildung (1919-?)
  • Verein für Fraueninteressen, Linz-Urfahr (1909-?)
  • Verein für realgymnasialen Mädchenunterricht
  • Verein gewerblicher Frauenschulen, Wien
  • Verein Heimschwester
  • Verein Wiener Settlement
  • Vereinigung arbeitender Frauen, Wien (1902-?)
  • Vereinigung arbeitender Frauen, Innsbruck
  • Vereinigung arbeitender Frauen, Salzburg
  • Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (1913-?)
  • Villacher Frauenwohltätigkeitsverein
  • Wiener Frauen-Symphonie-Orchester
  • Verein Kunstschule für Frauen und Mädchen, Wien (1902-?)
  • Frauenerwerbverein, Wien (1902-?)
  • Wiener Frauenheim (1927-?)
  • Wiener Frauenkunst (1927-?)
  • Wiener Hausfrauenverein
  • Zentralstelle für weibliche Berufsberatung
  • Verein Selbsthilfe
  • Bund abstinenter Frauen in Österreich
  • Auskunftsstelle für Wohlfahrtseinrichtungen, Wien
  • Deutsche Vereinigung für Mutterschutz und Säuglingsfürsorge in Nord­böhmen, Reichenberg
  • Akademischer Frauenverein Wien
  • Athenäum - Verein für die Abhaltung von wissenschaftlichen Lehrkursen für Frauen und Mädchen, Wien
  • Frauenerwerbverein, Prag
  • Deutsche Frauenvereinigung Olmütz
  • Deutscher Verein "Frauenfortschritt", Prag
  • Hilfsverein für Lehrmädchen und jugendliche Arbeiterinnen Wien
  • Reichsverein der Post- und Telegraphenmanipulantinnen und Posthilfsbeamtinnen
  • Verein der deutschen Lehrerinnen in Mähren
  • Verein Frauenhilfe, Marburg
  • Verein Heimat, Wien
  • Verein Jugendschutz
  • Verein Wiener Handelsakademie für Mädchen zur Förderung der höheren kommerziellen Frauenbildung
  • Zentralverein der staatlichen Vertragsbeamtinnen, Wien
  • Österreichisches Seehospiz in Grado
  • Providentia, Wien
  • Frauenerwerbverein, Klagenfurt
  • Verein der Lehrerinnen der französischen Sprache in Österreich (1919-)
  • Reichsverband zur Hebung der hauswirtschaftlichen Verhältnisse des Mittelstandes (1919-)
  • Verband der deutschen Frauenvereine von Oberösterreich (1919-)
  • Fachgruppe für soziale Frauenarbeit des Vereines "Die Bereitschaft" (1919-)
  • Verein Frauenbund, Brünn
  • Frauenerwerbverein, Brünn
  • Frauensektion des Österreichischen Bühnenvereins
  • Verein Lucina, Wien

Quellen

Literatur


Bund Österreichischer Frauenvereine im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.

Weblinks