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Helmut Zilk: Unterschied zwischen den Versionen

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Datei:Helmut zilk.jpg
Bürgermeister Helmut Zilk bei der Überreichung eines Ehrenzeichens (6.10.1986)
Daten zur Person

Helmut Zilk, * 9. Juni 1927 Wien, † 24. Oktober 2008 Wien, Journalist, Lehrer, Politiker, Bürgermeister.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Zilk kam als Sohn des Zeitungsangestellten Franz Zilk und dessen Frau Stefanie, geborene Winter, in Wien zur Welt. Hier besuchte er auch die Volks- und Hauptschule und danach die Lehrerbildungsanstalt. Nach der Matura studierte er an der Universität Wien Germanistik, Pädagogik, Psychologie und Philosophie. 1951 promovierte er zum Dr. phil. und gehörte dann dem Lehrkörper der Lehrerbildungsanstalt in der Hegelgasse an. 1955 legte er die Lehramtsprüfung für Pädagogik ab.

Seit 1951 engagierte sich Zilk auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung. Zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der theoretischen Pädagogik und der Didaktik sind von ihm in Fachzeitschriften und Büchern veröffentlicht worden. Ab 1955 betätigte er sich neben-, später hauptberuflich als Hörfunk- und vor allem als Fernsehjournalist. Er gestaltete zahlreiche Sendereihen und Serien für das noch junge Fernsehen, vor allem im Bereich der Jugend- und Bildungsarbeit, so etwa die Sendung "Was könnte ich werden?" mit Informationen und Tipps, welche Berufe nach der Pflichtschule erlernt werden könnten.

ORF-Generalintendant Gerd Bacher machte Zilk 1967 zum Programmdirektor des Österreichischen Rundfunks; es war bemerkenswert, dass ein ausgewiesener Konservativer einen ausgewiesenen Sozialdemokraten mit dieser Funktion betraute (die SPÖ war damals in Opposition gegen die ÖVP-Alleinregierung Klaus). Zilk gründete das Schulfernsehen in Österreich und setzte sich besonders für den Ausbau des späteren zweiten Fernsehprogramms ein. Breite Popularität gewann er durch seine Schlagfertigkeit in den von ihm gestalteten Diskussions-Livesendungen wie "In eigener Sache", "Stadtgespräche" und "Auslandsecho", für die er auch journalistische Preise erhielt. Zilk behielt seine ORF-Funktion bis zur Ablöse des Teams um Bacher durch den sozialdemokratischen Kanzler Bruno Kreisky im Jahr 1974. Von 1974 bis 1979 arbeitete er als Ombudsmann für die "Kronenzeitung", das meistgelesene Boulevardblatt Österreichs, wobei er sich für Bürgeranliegen einsetzte und den jeweiligen Sachverhalt pointiert kommentierte.

1979 berief der damalige Bürgermeister Leopold Gratz Zilk als Amtsführenden Stadtrat für Kultur und Bürgerdienst in den Stadtsenat bzw. die Landesregierung. In dieser Funktion setzte sich Zilk für die Förderung der Kunst in ihrer ganzen Breite ein. Auf ihn gehen etwa Aktionen wie "Literatur im März" oder die Bilder-Leihaktion der Kulturabteilung (MA 7) zurück.

Im Mai 1983 wurde er nach dem Ende der Kreisky-Ära als Bundesminister für Unterricht und Kunst in die neu gebildete SPÖ-FPÖ-Bundesregierung unter Fred Sinowatz berufen. Zu den wichtigsten Entscheidungen seiner Amtszeit gehörte die Einführung des Fachs Informatik in Gymnasien sowie die viel diskutierte Bestellung Claus Peymanns zum Direktor des Burgtheaters.

Im Rahmen einer Regierungsumbildung Anfang September 1984 übernahm der bisherige Wiener Bürgermeister Gratz das Amt des Außenministers. Helmut Zilk trat seine Nachfolge als Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien an und behauptete sich in diesem Amt in den darauf folgenden Wahlen 1984, 1987 und 1991. Er fungierte als Bürgermeister der Stadt Wien vom 10. September 1984 bis zum 7. November 1994. Im September 1994 übergab er das Amt an Michael Häupl. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger und seinem Nachfolger übernahm Zilk aber nie eine Spitzenfunktion in der SPÖ und versuchte sich durch Unkonventionalität sowie eine gewisse Überparteilichkeit in seinem Amt zu profilieren.

Zilk hat als Bürgermeister von Wien die Beziehungen zu den traditionell mit Wien verbundenen Städten Mitteleuropas (vor allem Prag, Pressburg, Budapest) wieder enger geknüpft und neue Akzente in den Beziehungen zu Japan und den USA gesetzt. Seine Initiativen auf kulturellem Gebiet haben die Entwicklung in vielen Bereichen der Kultur vorangetrieben. Zu nennen ist etwa die Schaffung einer gemeinsamen Intendanz für das Theater an der Wien, das Raimundtheater und das Ronacher und 1986 die Ernennung von Peter Weck zum Generalintendanten der Vereinigten Bühnen Wien, des stadteigenen Theaterkonzerns, der Auftrag an Friedensreich Hundertwasser für einen Wohnbau der Gemeinde Wien, die Betrauung von Hans Hollein mit dem Neubau an Stelle des Haas-Hauses am Stephansplatz und der Einsatz für Alfred Hrdlickas Denkmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Platz vor der Albertina.

Mit besonderer Sensibilität pflegte Helmut Zilk das jüdische Erbe Wiens und die Beziehungen zu Israel. Er hielt nicht nur engen Kontakt mit dem aus Wien stammenden Jerusalemer Bürgermeister Teddy Kollek, sondern setzte sich auch für die Errichtung des Jüdischen Museums und des Schoah-Mahnmals auf dem Judenplatz ein. Weitere kommunalpolitische Leistungen waren die Erweiterung des U-Bahn-Netzes, die Fertigstellung der Abwasserentsorgung in Simmering sowie die Eröffnung der Großspitäler AKH und Sozialmedizinisches Zentrum Ost. Der Ausbau des Bürgerservices und die Dezentralisierung durch Kompetenzaufwertung der Bezirke bedeuteten für Zilk Verbesserungen im Sinne der Bürgernähe.

Am 5. Dezember 1993 wurde Helmut Zilk bei einem rechtsextremistisch motivierten Briefbombenattentat an der linken Hand schwer verletzt und verlor zwei Finger. Diese Hand trug er seither in ein zur Krawatte passendes Seidentuch gehüllt. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1994 fungierte er als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Wiener Städtischen Versicherung und wurde 2003 von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zum Leiter einer Reformkommission zu Fragen der Reorganisation des Bundesheeres bestellt. Daneben blieb er auch journalistisch tätig: So moderierte er seit 1995 im ORF die Sendung "Lebenskünstler" und arbeitete zeitweise wieder für die "Kronenzeitung".

Anfang 2006 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand und Zilk wurde ein Herzschrittmacher implantiert; seither war er auch Dialyse-Patient. Am 24. Oktober 2008 starb er im Wiener Wilhelminenspital an Herzversagen. Nach zweitägiger Aufbahrung des Leichnams in der Volkshalle des Rathauses und dem öffentlichen Requiem im Stephansdom wurde der Altbürgermeister am 8. November 2008 in einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof beigesetzt.

2009 wurde die Grünanlage auf dem Albertinaplatz, Aufstellungsort des bis zu Zilks Entscheidung umstrittenen Denkmals gegen Krieg und Faschismus, in Helmut-Zilk-Platz umbenannt. 2011 benannte man den 2016 eröffneten Helmut-Zilk-Park beim neuen Hauptbahnhof nach dem Politiker.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sima: Größter Park seit 40 Jahren – Helmut-Zilk-Park im neuen Sonnwendviertel öffnet seine Pforten. In: Rathauskorrespondenz, 03.07.2016
  • Helmut-Zilk-Platz von Bürgermeister Häupl feierlich eröffnet. In: Rathauskorrespondenz, 20.04.2010
  • Requiem für Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk. In: Rathauskorrespondenz, 08.11.2008
  • Details zu den Trauerfeierlichkeiten für Helmut Zilk. In: Rathauskorrespondenz, 03.11.2008
  • Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk verstorben. In: Rathauskorrespondenz, 24.10.2008
  • Helmut Zilk: Meine drei Leben. [Aufgezeichnet von] Conny Bischofberger]. Wien: Amalthea 2007
  • Hans Werner Scheidl: Helmut Zilk. Wien: Holzhausen 2003
  • 10 Jahre Arbeit für Wien. Prof. Dr. Helmut Zilk, Bürgermeister und Landeshauptmann. Leistungsbilanz 1984–1994. Daten und Fakten über die Leistungen der Wiener Stadtverwaltung. Wien 1994
  • Camillo Schaefer: ... nichts für ungut und mit herzlichen Grüßen - Dr. Helmut Zilk. [Ein Bildband]. Wien: SPÖ Wien [ca. 1994]


Helmut Zilk im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]